04 Juli, 2010

ka_bone reloaded

Universität für Bodenkultur Wien . CAD in der Landschaftsarchitektur

Ausgangslage . Der Kagraner-Platz weist die bauliche Struktur eines alten Angerdorfes mit zentralem, langgestrecktem Platz und niedriger, teilweise nur eingeschoßiger Bebauung auf. Der Platz ist West-Ost orientiert. Sein Querprofil verengt sich an den Enden, wodurch der Charakter einer Straße entsteht. 
Die Haupterschließung erfolgt aus Ost und West über eine vierspurige Straße, die sich im Zentrum des Platzes teilt, wodurch eine grüne, verkehrsumspülte Linse entsteht. Aus südlicher Richtung treffen zwei untergeordnete Gassen auf den Platz. Aufgrund der Dominanz der Verkehrsnutzung in Verbindung mit der langgestreckten Form und der Verdrängung der Fußgänger an die Gebäudefronten kann der Ort aktuell nicht als Platz wahrgenommen werden. Besonders auffällig ist die sehr hohe Dichte an gewerblichen Betrieben. Die Bebauung schließt in etlichen Fällen nicht direkt an die Platzseitige Grundgrenze an, wodurch sich private ‘Vorbereiche’ ergeben die zu verschiedensten Zwecken genutzt werden (Parken, Vorgarten, etc.). Ansonsten ist die Bebauung durchgehend geschlossen.



Zielsetzung des Entwurfes . Der Kagraner-Platz soll räumlich als Platz sichtbar und erlebbar gemacht werden, wobei der besondere Charakter der Angerdorfstruktur erhalten und betont werden soll. Die aktuelle Dominanz des mototisierten Individualverkehrs soll in ein gleichberechtigtes miteinander mit den nicht motorisierten Nutzungen überführt werden. Der Platz soll multifunktional nutzbar sein und sowohl kulturellen als auch kommerziellen Nutzungen Platz bieten beziehungsweise das vielfältige gewerbliche Angebot unterstützen und einen regen Austausch mit den aktuellen Nutzungen in der Sockelzone der Gebäude iniziieren. Die Erholungsfunktion soll wesentlich aufgewertet werden. 
Eingriffe in die Verkehrsfunktion .
Aktuell wird über den Platz eine übergeordnete Verkehrsachse des motorisierten Individualverkehrs geführt, die den Verkehr von der Wagramer Straße und Donaufelderstraße zur A23 beziehungsweise zum Gewerbegebiet Stadlau leitet. Diese Achse wird Richtung Norden auf die Straße ‘Am langen Felde’ verlegt. Über den Platz wird ledigliche eine zweispurige Straße geführt die der Erschließung des Platzes selbst dient. Auf gleicher Trasse wird die Straßenbahnlinie 26 über den Platz geführt und Richtung Seestadt Aspern verlängert. Um die Gleichberechtigung mit den Fußgängern und Radfahrern am Platz zu unterstreichen wird die Straße auf Platzniveau angehoben. Platz und Fahrbahn werden in ihrer Materialität (großformatiges Natursteinpflaster) nicht unterschieden. Zur Definition der Fahrbahn dienen offene Entwässerungsrinnen.

Räumliche Eingriffe . Der langgestreckte Platz wird in drei Bereiche unterteilt. Am schmalen westlichen Ende wird ein Bereich mit Einkaufsstraßencharakter entstehen, der östliche Bereich wird weich und grün als Park ausformuliert. Der zentrale, aufgeweitete Bereich wird als Platz entwickelt. Um diesen Bereich zu fassen wird eine räumlichen Klammer eingesetzt die als Rückgrat für den Platz fungiert - der Backbone. Dieses Element ist als erhöhtes Grünband ausgeführt (Sitzhöhe) und wird an den Enden Rampenförmig hochgezogen, wodurch die Enden des Platzes visuell definiert werden. Zusätzlich verstärkt wird die visuelle Wirkung durch Baumpflanzungen hinter und neben den hochgezogenen Enden.

Multifunktionaler Backbone . Um unterschiedliche Funktionen aufzunehmen und die Durchwegung des Platzes zu gewährleisten ist das Backbone-Element in unterschiedliche Segmente geteilt, die aufgrund ihrer starken linearen Betonung als Einheit wahrgenommen werden können.
Die westliche Rampe des Backbones ist als ‘harte’ Zuschauertribüne mit Sitzstufen und Holzbänken (Beton Besenstrich, Eiche) mit vorgelagerter Bühnenfläche gestaltet. Tribüne als auch die Bühne sind jederzeit zugänglich und können in ihrer Nutzung frei interpretiert werden (Schulklasse im Freien, Aussichtspunkt, Treffpunkt, Skateparcourt, etc.)
Die beiden zentral gelegenen Segmente sind als erhöhre Rasenflächen ausgebildet. Versetzte Naschbeerenhecken bilden geschütze räumliche Situationen die zum Sonnenbaden oder als Spielräume genutzt werden können. In jedes dieser beiden Segmente ist ein Schanigarten integriert der von Cafés oder Restaurants gemietet werden kann.
am östlichen Ende wird der Backbone von der Straßenbahntrasse durchschnitten. An diesem Punkt wird eine Straßenbahnhaltestelle eingefügt, wodurch der Backbone auch eine Knotenpunktfunktion als übergeordneter Eingang zum Platz erhält. Die östliche Rampe ist als weicher Rasenhang ausgeführt und bildet den Übergang in den Parkbereich.
Zwischen den Segmenten ist eine Stellfläche für PKWs, beziehungsweise ein Bereich mit Holzbänken und Pflanztrögen (siehe Bild rechts) vorgesehen.
Südlich des Backbones wird ein (Bauern)markt mit 48 Standplätzen entwickelt.

Neue Bebauungslinien . um den Platz räumlich stärker zu definieren werden die Bebauungslinien für eine etwaige Neubebauung von Parzellen sanft adaptiert. Die Enden des zentralen Platzbereiches werden bewusst verengt beziehungsweise werden Gebäudevorsprünge ausgebildet die den Platz klarer lesbar machen.
Die neuen Bebauungslinien werden in der Platzfläche als dunkler Belagsstreifen sichtbar gemacht. Hinter diesem Streifen schließen die ‘Vorgärten’ der aktuellen Bebauung an. Diese Gärten sollen bis zu einer Neubebauung bewusst erhalten bleiben und dem Platz einen speziellen, sehr persönlichen Charakter geben (siehe Abbildung Blatt 1 rechts oben).
Die Modellfotos auf Blatt 2&3 zeigen die räumliche Intervention des Backbones, aber auch die räumliche Wirkung von alter und möglicher neuer Bebauung.

Parkbereich . Das östliche grüne Ende des Plazes weitet sich in eine großzügige Grünfläche die sich in Richtung Süden erweitert. Das grüne hochgezogenen Ende des Backbones dient hier als besonderes Spielelement und als verbindende Aussichtsplattform am Übergang zwischen Platz und Park. Im Norden und Osten wird der Park von untergeordneten Straßen begrenzt, im Süden reicht er an eine, der Bebauung vorgelagerte Asphaltfläche, die einerseits der Erschließung der Gebäude, aber auch für Spiel, Sport und Gastronomie nutzbar sein soll. Die Grünfläche selbst ist mit schattenspendenden Bäumen bepflanzt und mit Holzpritschen ausgestattet. Zur schnellen Durchquerung wurde ein nord-süd verlaufender Weg vorgesehen.
Im südlichen Bereich gibt es eien Kinderspielplatz und weitere Holzpritschen. Ein privates Gebäude, dass sich in der Parkfläche befindet wird gestalterisch in den Parkraum einbezogen und könnte in Zukunft als Kindergarten mit direktem Parkanschluss, oder Jugendzentrum genutzt werden.

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ka_bone reloaded

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo.
Ich mochte mit Ihrer Website tlraumtaten.blogspot.com Links tauschen

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für das Schreiben dieses, es war unglaublich informativ und erzählte mir eine Tonne