29 Juli, 2008

флух~ urban knot

Universität für Bodenkultur | Objektplanerisches Projekt Landschaftsarchitektur

Am Gaudenzdorfer Knoten konnten zwei etablierte Nutzungen identifiziert werden - die Nutzung des Raumes zur Querung und als Hundeparadies. Neben diesen etablierten und allgemein wahrnehmbaren Nutzungen zeigten Interviews mit AnrainerInnen weitere unauffällige Nutzungen, die im Allgemeinen nicht mit dem Gaudenzdorfer Knoten in Verbindung gebracht werden - picknicken, sonnenbaden, relaxen, ...
Diese nicht mit dem Ort assoziierten Nutzungen sollen ins Bild gerückt bzw. verstärkt provoziert werden.
Die Installation von Rahmen lenkt die Blicke der vorbeiströmenden urbanen Verkehrsflüsse auf diese Aktivitäten.
Aus der Perspektive der potentiellen Nutzer dienen die Rahmen als Möbel, die einen Anknüpfungspunkt zur Inbesitznahme des Ortes bieten. Um die Rahmen wird eine Kreisförmige Fläche ausgemäht um einen zur Nutzung definierten Raum entstehen zu lassen.


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Dérive

Am Beginn unseres Beitrages stand eine Auseinandersetzung mit dem Wiental in Form eines Spazierganges – Dérive. Als Ergebnis dieses Spaziergangs stand die Erkenntnis, dass der Wienfluss ein lineares Landschaftselement, ein linearer Entwicklungsraum, ein linearer Bewegungsraum, der an verschiedenen Abschnitten unterschiedlich intensiv mit den durchflossenen Räumen verwoben ist.
Landscape Urbanism . Conflation, integration, and fluid exchange between (natural) environmental and (engeneered) infrastructural systems (WALDHEIM . the landscape urbanism reader 2006, 43).
Besonders interessant war zu sehen wie stark ein natürliches Landschaftselement die Entwicklung einer Stadt determinieren kann bzw. wie viele städtebauliche Gestaltungsentscheidungen sich über dieses natürliche Grundelement Element begründen lassen (siehe: flux_derive.jpg). Eine weitere Erkenntnis war die Feststellung, dass der natürliche, die gesamte Stadtentwicklung prägende Fluss, von urbanen Bewegungsflüssen in unterschiedlichsten Geschwindigkeiten überlagert wurde. Diese Überlagerung führte in Teilabschnitten zu einem vollkommenen Verschwinden des Gewässers, wobei eindeutig festzuhalten ist, dass ein Flussraum nicht alleine aus dem Gewässer besteht sondern ganz besondere Qualitäten aus der Geländeform schöpft in die er eingebettet ist bzw. die er selbst geschaffen hat. Genau diese Geländeform und ihre Wirkung als Entwicklungsachse, aber auch als trennendes und gleichzeitig verbindendes Element bleibt durch das Ersetzen des natürlichen Gewässerflusses durch urbane Bewegungsflüsse erhalten – eine urbane, nach wie vor lesbare Flussregion entsteht. Urbane Bewegungsflüsse in den unterschiedlichsten Geschwindigkeiten, aber auch Fließrichtungen konnten festgestellt werden – die baulich-räumliche Ausdehnung der Stadt, Übergeordnete Straßen und Bahnlinien, U-Bahnen, Straßenbahnen, Straßen, Radwege, etc.


Ort

Als besondere Punkte im urbanen Flussraum vielen jene Orte auf, an denen sich die radiale Entwicklungs- und Flussachse des Wientals mit den konzentrischen urbanen Flüssen kreuzte bzw. verknotete. wurde.
Besonders faszinierend, vor allem aufgrund der verknoteten Verkehrswegeführung, wirkte der Bereich des Gaudenzdorfer Knotens, welcher als Ort für eine Intervention ausgewählt und im Anschluss genauer analysiert wurde.



Analyse

Um die Qualitäten des Ortes möglichst intensiv zu erleben wurde am Gaudenzdorfer Knoten ein Picknick veranstaltet und versucht besondere Eindrücke und Qualitäten zu benennen.
Der Ort zeichnet sich durch eine räumliche Offenheit aus, die in Weite und Distanz erlebbar ist. Diese Wirkung entsteht einerseits durch die Größe des Raumes selbst, aber auch dadurch, dass die Raumgrenzen von den breiten Verkehrsflüssen aufgerissen werden und der Raum gleichsam ausfließt.
Die den Ort dominierenden Verkehrsflüsse bewirken zwar eine funktionelle Verflechtung und Verknotung verschiedener Stadtteile, der Gaudenzdorfer Knoten selbst wird jedoch von den vielen unterschiedlichen Bewegungssträngen in kleinere und größere Segmente zerteilt. Die dabei entstehenden Segmente liegen wie Inseln in einer urbanen Flusslandschaft. Es konnte festgestellt werden, dass bestimmte Qualitäten dieser urbanen Flusslandschaft Analogien zu natürlichen ‚braided river‘ Systemen aufweisen.
Braided river Systeme zeichnen sich durch eine starke Verästelung, eine hohe Dynamik, Rohheit, aber auch durch periodisch wiederkehrende Rhythmen aus.
Genau diese Dynamik und Rhythmik entsteht in der urbanen Landschaft durch die, an den Inseln vorbeiziehenden unterschiedlich schnellen Verkehrsflüssen. Durch die Geschwindigkeit und die speziellen Geräusche von PKWs, LKWs, auf Brücken geführten U-Bahngleisen entsteht aber auch eine rohe und chaotisch-brutal wirkende Stimmung. Die besondere Rhythmik, welche zwar sehr einprägsam ist, jedoch nur erlebt werden kann, wenn man einige Minuten auf einer Insel verweilt wird maßgeblich durch die Ampelschaltungen an den Kreuzungen erzeugt.
Eine weitere Qualität des Ortes konnte in der Einsehbarkeit des Ortes und in der Menge an potenziellen Beobachtern festgestellt werden, welche den Ort täglich passieren. Alleine beim motorisierten Individualverkehr ist von durchschnittlich 100.000 Fahrzeugen im Bereich des Knotens auszugehen. Dazu kommen noch die Fahrgäste der U6 und jene der Straßenbahnen.
Im Anschluss an diese räumliche Analyse, bei der besonders auf die sinnlich erlebbaren Qualitäten geachtet wurde erfolgte eine sozialwissenschaftliche Studie, die sich mit der Nutzung und Nutzungszonierung des Knotenraumes beschäftigte. Entgegen allen unseren Erwartungen konnten einige Nutzungen festgestellt werden, die nicht ursächlich mit einer Flussfunktion im Sinne der Fortbewegung in Zusammenhang standen, wie picknicken, sonnenbaden, relaxen, ....
Trotz der vielen potenziellen Beobachter wird der Ort nicht mit diesen Nutzungen in Zusammenhang gebracht, da die Qualitäten des Ortes nicht mit diesen Nutzungen in Zusammenhang gebracht werden und diese nur bedingt sichtbar werden bzw. übersehen werden.




Intervention


Ziel der Intervention ist es, vorhandene Nutzungen sichtbar zu machen, neue zu provozieren, aber auch das bewusste Erleben einer als brutal und roh erscheinenden urbanen Flusslandschaft zu ermöglichen.
Um die bereits vorhandenen Nutzungen ins Blickfeld zu rücken, aber auch um weitere Nutzungen des Ortes zu provozieren, wird die Installation von Rahmenelementen vorgeschlagen, welche aus Sicht der Nutzer als multifunktionale Möbel dienen. Diese sollen als Kristallisationspunkte die Inbesitznahme der Inseln und urbanen Strände erleichtern (siehe flux_03_Scheiß Mann.jpg). Um die Blicke zu lenken und zu fokussieren sollen die Rahmenelemente an Orten platziert werden, an denen sie besonders gut von den vorbeiströmenden bzw. an Ampeln ruhenden Verkehrsflüssen beobachtet werden können (siehe flux_02_icknicker, kein.jpg und flux_03_Scheiß Mann.jpg).
Durch die Wahl der Rahmenform und die Platzierung der Rahmen entsteht eine ironische Situation. Die Rahmen zeigen in ihrer Funktion als Möbel den PassantInnen an, dass sie die ‚absolut einsichtigen und vor Beobachtung ungeschützten‘ Insel- und Strandorte nutzen können und sollen. Die Möbel geben also eine gewisse Sicherheit und eine Bestätigung der Nutzungsmöglichkeit, gleichzeitig rücken sie in ihrer Funktion als Rahmen die NutzerInnen ganz besonders ins Blickfeld.